Tinnitus feststellen: So läuft die Diagnose ab

Tinnitus kann viele Ursachen haben – von Stress über Hörprobleme bis hin zu anderen Erkrankungen. Damit klar wird, was hinter den Ohrgeräuschen steckt, ist eine sorgfältige Diagnose wichtig. Erfahre hier, wie man Tinnitus feststellt und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.

HNO-ärztliche Untersuchung zum Feststellen eines Tinnitus.
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Überblick: Tinnitus feststellen

  • mehrere Schritte: Eine Tinnitus-Diagnose setzt sich immer aus verschiedenen Bausteinen zusammen, nicht aus nur einem einzelnen Test.
  • Gespräch & Untersuchung: Ärztinnen und Ärzte beginnen mit Fragen zu deiner Vorgeschichte und einer körperlichen Untersuchung.
  • Hörtests: Verschiedene Verfahren zeigen, wie gut du hörst und wie stark dich der Tinnitus belastet.
  • Ziel: Alle Ergebnisse zusammen ergeben ein klares Bild und helfen, die Ursachen besser zu verstehen.
     

Ablauf der Tinnitus-Diagnose

Zum Feststellen von Tinnitus gehören verschiedene Tests und Untersuchungen des Hörvermögens:

Anamnese – deine persönliche Vorgeschichte

Der erste Schritt der Tinnitus-Diagnose ist das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Dabei geht es um deine persönliche Vorgeschichte.
Typische Themen im Anamnesegespräch1:

  • Zeitpunkt des Beginns
  • mögliche Auslöser (z. B. Lärm oder Verletzungen)
  • Art des Ohrgeräusches (z. B. Piepen, Rauschen)
  • Ohrgeräusche auf einem oder beiden Ohren
  • Lautstärke und Veränderung im Tagesverlauf
  • Zusammenhang mit Stress, Anstrengung oder Medikamenten
  • begleitende Symptome wie Schwindel oder Hörprobleme

Das gibt deiner Ärztin oder deinem Arzt schon vor weiteren Tests erste Hinweise auf mögliche Ursachen und den Schweregrad des Tinnitus.
 

Tipp

Bereite dich vor. Notiere dir schon vor dem Termin, wie stark und wie lange die Ohrgeräusche auftreten. Mit dem Tinnitus-Fragebogen lassen sich zusätzlich Belastung und Schweregrad einschätzen. Diese Infos sind eine wertvolle Basis für die späteren Tests beim Arzt oder der Ärztin.

HNO-Untersuchung

Nach dem Gespräch folgt die körperliche Untersuchung beim HNO-Arzt oder der HNO-Ärztin.

Dabei schaut er oder sie sich vor allem das Ohr gründlich an und überprüft Gehörgang sowie Trommelfell so auf Entzündungen, Verletzungen oder Fremdkörper2. Auch Nase und Rachenraum untersucht er oder sie mit einfachen Geräten, um mögliche Ursachen für die Ohrgeräusche auszuschließen.

Was dich außerdem erwartet1:

  • Hörtests zu Lautstärke, Tonhöhe und Sprachverständnis
  • spezielle Messungen, die die Funktion von Gehörknöchelchen und Hörnerven prüfen

Diese Untersuchungen helfen, die Ohrgeräusche besser einzuordnen und eine passende Behandlung zu planen.

Tinnitus-Test & Höruntersuchungen

Ohrgeräusche allein sagen wenig über ihre Ursache. Deshalb gehören spezielle Tests zum festen Bestandteil der Tinnitus-Diagnose. Sie geben Ärztinnen und Ärzten wichtige Hinweise und helfen, deine Beschwerden besser einzuordnen.

Patient absolviert Hörtest zum Feststellen von Tinnitus.
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Subjektive Hörtests bei Tinnitus

Bei subjektiven Hörtests beschreibst du selbst, wie du Geräusche hörst3. Sie zeigen, wie gut dein Hörvermögen funktioniert und wie stark dich der Tinnitus belastet.

Typische Verfahren sind4,5,6:

  • Sprachtests
    Per Kopfhörer werden dir Zahlen und Wörter in unterschiedlicher Lautstärke vorgesprochen. So lässt sich prüfen, wie gut du Sprache verstehst.
  • Stimmgabeltests
    Du bekommst an verschiedenen Stellen des Kopfes eine Stimmgabel aufgesetzt. So ist erkennbar, ob Luft oder Knochen den Schall besser leiten. Unterschiede können auf bestimmte Formen von Hörstörungen hinweisen.
  • Tonaudiometrie
    Über Kopfhörer hörst du Töne in verschiedenen Höhen. Der Test zeigt, ab welcher Lautstärke du sie gerade noch wahrnimmst – die sogenannte Hörschwelle.
  • Tinnitus-Schweregrad-Test
    Mit einem Fragebogen erfasst dein Arzt oder deine Ärztin, wie sehr dich die Ohrgeräusche im Alltag beeinträchtigen.
  • Gleichgewichtsprüfungen
    Dazu gehören einfache Tests wie Stehen auf einem Bein, Marschieren mit geschlossenen Augen (Unterberger-Tretversuch) oder das Berühren der Nasenspitze mit ausgestrecktem Finger. Das zeigt, ob zusätzlich eine Störung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr vorliegt.

Diese Tests sind zentral, um einen Tinnitus festzustellen. Sie helfen, Hörprobleme früh zu erkennen und die Belastung durch den Tinnitus einzuschätzen.

Tinnitus-Matching und Masking

Tinnitus-Matching
Beim Tinnitus-Matching geht es darum, Tonhöhe und Lautstärke des Ohrgeräuschs möglichst genau zu bestimmen7.

  • Ablauf: Du hörst über Kopfhörer verschiedene Töne und vergleichst sie mit deinem Ohrgeräusch.
  • Ergebnis: Die Ärztin oder der Arzt stellt Frequenz und Lautstärke passend ein.
  • Einschränkung: Die Methode beruht auf deiner Wahrnehmung, es ist also keine objektive Messung. Zudem funktioniert dies nur, wenn dein Tinnitus ein Ton und kein Rauschen ist.
  • Kosten: In der Regel übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Untersuchung nicht.

Tinnitus-Masking
Das Masking prüft, ob bestimmte Töne deinen Tinnitus überdecken können8.

  • Einsatz: Teilweise auch therapeutisch, z. B. mit Tinnitus-Maskern.
  • Einschränkung: Ein gesicherter wissenschaftlicher Wirknachweis fehlt bisher8.

Objektive Hörtests bei Tinnitus

Im Gegensatz zu den subjektiven Tests erfordern objektive Hörtests keine aktive Mitarbeit. Sie messen automatisch, wie gut dein Gehör funktioniert. Wichtig: Den Tinnitus selbst kann man nicht direkt messen – wohl aber die Hörfunktionen, die damit zusammenhängen.

  • Tympanometrie4
    Bei dieser Messung prüft die Ärztin oder der Arzt, wie beweglich dein Trommelfell ist. Dazu wird im Gehörgang kurz ein Druck aufgebaut. Das Verfahren zeigt, ob sich Flüssigkeit im Mittelohr befindet oder die Gehörknöchelchen eingeschränkt arbeiten. Die Untersuchung ist vollautomatisch und in der Regel nicht schmerzhaft.
  • Hirnstammaudiometrie (BERA)4,5
    Elektroden am Kopf messen die Reaktionen auf kurze Klickgeräusche, die du über Kopfhörer hörst. So lassen sich Erkrankungen des Hörnervs erkennen oder ausschließen. Die Untersuchung dauert bis zu einer Stunde.
  • Naso-Pharyngoskopie
    Hierbei handelt es sich um eine Untersuchung deines Nasen-Rachen-Raums mit einem kleinen Endoskop. So lassen sich mögliche Veränderungen wie Entzündungen oder Schwellungen erkennen, die Einfluss auf dein Hören haben können.

Weitere Untersuchungen

Manchmal reicht die HNO-Untersuchung allein nicht aus. Dann können weitere Verfahren helfen, andere Ursachen auszuschließen. Diese Untersuchungen führen oft Fachärztinnen und Fachärzte anderer Bereiche durch.

Mögliche Verfahren sind5:

  • CT oder MRT
    Bildgebende Verfahren, die zeigen, ob anatomische Veränderungen oder Erkrankungen im Ohr oder Gehirn vorliegen.
  • Ultraschall
    Untersuchung der Blutgefäße im Hals, um Durchblutungsstörungen zu erkennen.
  • Labortests
    Blutuntersuchungen, um Begleiterkrankungen wie Diabetes, hormonelle Störungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu prüfen.
  • Kieferdiagnostik
    Untersuchung von Kiefer- und Kauapparat, da Funktionsstörungen wie Verspannungen Ohrgeräusche beeinflussen können.
  • Psychologische oder neurologische Diagnostik
    Einschätzung möglicher psychischer oder neurologischer Ursachen wie Depressionen oder Nervenstörungen.

So entsteht ein umfassendes Bild, das hilft, deinen Tinnitus besser einzuordnen und die passende Behandlung zu planen.

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Wann du bei einem Tinnitus zum Arzt gehen solltest

Manchmal verschwinden Ohrgeräusche nach kurzer Zeit von selbst, zum Beispiel nach einem lauten Konzert. Halten sie jedoch länger an oder treten weitere Beschwerden auf, solltest du ärztliche Hilfe suchen.

Gehe in den folgenden Fällen unbedingt zum HNO-Arzt/zur HNO-Ärztin10:

  • Ohrgeräusche bestehen länger als 24 Stunden
  • Tinnitus tritt plötzlich und sehr laut auf
  • Schwindel, Hörminderung oder Gleichgewichtsstörungen kommen dazu
  • Schmerzen im Ohr treten auf

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Welcher Arzt der beste Ansprechpartner bei Tinnitus ist

Bei Tinnitus ist die HNO-Praxis in der Regel die erste Anlaufstelle. Dort wird geprüft, ob eine Erkrankung am Ohr vorliegt. Typische Untersuchungen sind ein Blick ins Ohr, Hörtests und spezielle Messverfahren.

Manchmal liefern die Untersuchungen Hinweise auf andere Ursachen oder Begleiterkrankungen. Dann kann die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt dich an andere Fachrichtungen überweisen11.

Mögliche Ursachen außerhalb des Ohrs10:

  • Fehlstellungen oder Verspannungen der Halswirbelsäule
  • Probleme mit Zähnen oder dem Kiefergelenk
  • Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen
  • psychische Erkrankungen wie Depression oder Burnout
  • neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose

Welche Fachrichtungen helfen können10:

  • Zahnmedizin: prüft Zähne und Kiefer auf Fehlfunktionen
  • Orthopädie: untersucht Halswirbelsäule und Bewegungsapparat; Physiotherapie kann Beschwerden lindern
  • Internist oder Hausarztpraxis: führt Bluttests und Blutdruckmessungen durch, um Stoffwechsel- und Kreislauferkrankungen zu erkennen
  • Psychotherapie oder Psychiatrie: hilft bei psychischen Belastungen; eine kognitive Verhaltenstherapie gilt als wirksame Behandlung bei Tinnitus5 – die Kalmeda® Tinnitus-App bietet diese Therapie digital und jederzeit verfügbar
  • Neurologie: untersucht das Nervensystem bei Verdacht auf neurologische Erkrankungen
  • Radiologie: setzt bildgebende Verfahren wie CT oder MRT ein, wenn anatomische Veränderungen im Kopf- und Halsbereich ausgeschlossen werden sollen

So entsteht ein Gesamtbild, das nicht nur dein Ohr, sondern deinen kompletten Gesundheitszustand berücksichtigt. Auf dieser Basis kannst du mit deinem behandelnden Arzt oder deiner behandelnden Ärztin eine passende Behandlung planen.
 

FAQs zur Tinnitus-Diagnose

  • Jein. Meist lässt sich Tinnitus nicht direkt messen. Nur bei objektivem Tinnitus, etwa bei pulssynchronen Formen, ist das möglich. Ansonsten helfen Hörtests, dein Hörvermögen zu prüfen und die Ohrgeräusche besser einzuordnen.

  • Erste Anlaufstelle ist immer die HNO-Praxis. Je nach Ursache können weitere Fachrichtungen wie Orthopädie, Zahnmedizin, Neurologie oder Psychotherapie einbezogen werden.

  • Viele Basisuntersuchungen sind Kassenleistung. Spezielle Verfahren wie das Tinnitus-Matching werden meist nicht übernommen. Kläre Kosten vorab am besten mit der Praxis oder Krankenkasse.

  • Das hängt vom Umfang ab. Erste Untersuchungen beim HNO dauern meist unter einer Stunde. Bei weiterführenden Verfahren wie MRT oder BERA kann mehr Zeit nötig sein.

  1. Untersuchungen & Diagnose » Tinnitus“. Dt. Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. Zugegriffen 1. September 2025.
  2. Ohrmikroskopie“. Dt. Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. Zugegriffen 1. September 2025.
  3. Was passiert bei einer Ohrenuntersuchung?“ gesundheitsinformation.de. Zugegriffen 1. September 2025.
  4. Hörtests“. Dt. Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. Zugegriffen 1. September 2025.
  5. S-3 Leitlinie Chronischer Tinnitus“. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. Zugegriffen 1. September 2025.
  6. Gleichgewichtsprüfungen“. Dt. Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. Zugegriffen 1. September 2025.
  7. Hesse, Gerhard, Herausgeber. „13 Begutachtung und Tinnitus“. Tinnitus, Georg Thieme Verlag, 2016.
  8. Hobson, Jonathan, u. a. „Sound Therapy (Masking) in the Management of Tinnitus in Adults“. Cochrane Database of Systematic Reviews, Bd. 11, 2012, S. CD006371.
  9. Walter, U., u. a. „Continuous Improvement of Chronic Tinnitus through a 9-Month Smartphone-Based Cognitive Behavioral Therapy: Randomized Controlled Trial“. Journal of Medical Internet Research, Bd. 27, 2025, S. e59575, doi:10.2196/59575.
  10. Vorsorge » Tinnitus“. Dt. Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. Zugegriffen 1. September 2025.
  11. Patientenleitlinie Chronischer Tinnitus“. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. Zugegriffen 1. September 2025.