Diese Ohrenerkrankungen können Tinnitus verursachen

Hattest du schon einmal eine Mittelohrenentzündung? Ohrenerkrankungen wie diese können nicht nur schmerzhaft sein – manche lösen auch einen Tinnitus aus.

Hier findest du verständliche Informationen zu typischen Ohrenerkrankungen. So kannst du besser nachvollziehen, wie ein Tinnitus entsteht und was hinter den Geräuschen im Ohr steckt.

Frau mit Ohrenerkrankung hält Hand an ihr Ohr.
sebra – stock.adobe.com

Ohrenerkrankungen und Tinnitus

Ohrenerkrankungen gehören zu den wichtigsten Auslösern von Tinnitus. Abhängig vom Alter zeigen sie sich ganz unterschiedlich1:

  • Bei Säuglingen und Kleinkindern ist es oft eine Mittelohrentzündung, die neben Schmerzen auch Ohrgeräusche nach sich ziehen kann.
  • Jugendliche sind häufiger von Gehörgangsentzündungen betroffen – auch diese können Tinnitus verstärken oder auslösen.
  • Erwachsene leiden zusätzlich häufig unter Problemen am Kiefergelenk oder an der Halswirbelsäule, die sich ebenfalls auf das Ohr auswirken können.

Damit du die genaue Ursache erkennst, ist eine Untersuchung in einer HNO-Praxis wichtig – vor allem, wenn zu deinen Beschwerden auch noch Schwindel, Fieber, Hörminderung oder Tinnitus hinzukommen.

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Tinnitus bei einem Hörsturz

Meist kommt es plötzlich: Du hörst auf einem Ohr schlecht, als läge Watte darin oder das Gehör verschwindet fast komplett. Solche Symptome sind typisch für einen Hörsturz, auch akute Innenohrschwerhörigkeit genannt. In Deutschland sind jedes Jahr rund 150.000 Menschen betroffen2.

Medizinisch bedeutet ein Hörsturz eine plötzliche, einseitige Hörminderung im Innenohr, die in manchen Fällen bis zur Taubheit reicht3. Vermutlich entstehen die Symptome durch Durchblutungsstörungen im Innenohr. Die genauen Auslöser sind noch nicht abschließend geklärt, vor allem Stress, emotionale Anspannung oder auch Verschleißerscheinungen der Halswirbelsäule scheinen eine Rolle zu spielen4.

Oft geht ein Hörsturz mit weiteren Beschwerden einher5:

  • verzerrtes Hören
  • Geräuschempfindlichkeit
  • dumpfes Gefühl bis hin zu Druck im Ohr
  • Schwindel
  • Benommenheit

Oft tritt zusätzlich ein Tinnitus auf – bei manchen sind es hochfrequente Töne, bei anderen ein Brummen oder Pfeifen. Bei einigen Betroffenen bleibt er bestehen, selbst wenn sich das Gehör wieder normalisiert hat6.

Schon gewusst?

Findet dein Arzt oder deine Ärztin eine konkrete Ursache, spricht er oder sie von einem symptomatischen Hörsturz. Gibt es keinen erkennbaren Grund, handelt es sich um einen idiopathischen Hörsturz.

Ein Hörsturz ist zwar kein lebensbedrohlicher Notfall, aber immer ein medizinischer Eilfall. Idealerweise solltest du umgehend bzw. innerhalb von 24 bis 48 Stunden einen HNO-Arzt oder eine HNO-Ärztin aufsuchen, um bleibende Hörschäden zu vermeiden. In vielen Fällen normalisiert sich das Gehör zwar innerhalb weniger Stunden oder spätestens nach 1 bis 2 Tagen von selbst3. Bleiben die Beschwerden jedoch bestehen, ist ein Arztbesuch unbedingt sinnvoll. Meist erhältst du dann entzündungshemmende Medikamente und vor allem „Ruhe und Erholung“ verschrieben.

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Zusammenhang von Mittelohrentzündung und Tinnitus

Eine Mittelohrentzündung gehört zu den häufigsten Ohrenerkrankungen – und sie kann einen Tinnitus auslösen. Durch die Entzündung sammelt sich Sekret hinter deinem Trommelfell. Das verursacht Schmerzen und beeinträchtigt dein Hören.

Wenn der Schall nicht mehr ungehindert an dein Innenohr weitergeleitet wird, können Ohrgeräusche entstehen. Vielleicht fragst du dich: Wie lange bleibt mein Tinnitus bei einer Mittelohrentzündung? 

Die gute Nachricht: In den meisten Fällen nur so lange, wie die Entzündung anhält. Sobald deine Mittelohrentzündung abheilt, verschwindet auch der Tinnitus wieder.

Ohrenerkrankungen wie Mittelohrentzündungen als Ursache für Tinnitus: Mann sitzt auf Sofa und hält Hand an sein schmerzendes Kiefergelenk.
Dorde – stock.adobe.com

Manchmal hält der Tinnitus auch nach Abklingen der Mittelohrentzündung noch an. Das gilt besonders, wenn sie chronisch verläuft7.

Hörsturz oder Mittelohrentzündung?
  • Mittelohrentzündung: Du hast Fieber, Ohrenschmerzen oder Erkältungssymptome. Der Tinnitus klingt meist mit der Entzündung ab.
  • Hörsturz: Deine Beschwerden treten plötzlich auf, obwohl du keinen Infekt oder Schmerzen hast. Der Tinnitus kann dauerhaft bleiben.

Bei Verdacht auf einen Hörsturz, immer ärztlichen Rat einholen.

Knalltrauma als Auslöser für Tinnitus

Feuerwerkskörper an Silvester oder ein abgefeuerter Schuss – ein Knalltrauma entsteht, wenn ein plötzlicher, sehr lauter Schall dein Innenohr überlastet. Die kurze, extreme Belastung schädigt Sinneszellen im Innenohr und kann zu bleibenden Beschwerden führen.

Typische Symptome eines Knalltraumas:

  • Tinnitus
    Die Ohrgeräusche setzen meist sofort nach dem Knallereignis ein.
  • Hörminderung
    Das Hören kann deutlich eingeschränkt sein, manchmal bis hin zur Taubheit. Einige verspüren ein Wattegefühl im Ohr.

Gut zu wissen: In vielen Fällen bessern sich die Beschwerden mit der Zeit wieder.

Jedoch gilt ein Knalltrauma auch als Ursache für einen länger anhaltenden Tinnitus7. Welche Mechanismen da genau eine Rolle spielen, ist noch ungeklärt.

Alle Tinnitus-Ursachen auf einen Blick

Tinnitus bei Cholesteatom

Ein Cholesteatom ist eine krankhafte Einwucherung im Mittelohr. Sie verursacht eine chronische Entzündung, die oft mit übelriechendem Ohrausfluss und einer Schallleitungsschwerhörigkeit einhergeht.

Tinnitus bei Cholesteatom auf einen Blick:

  • Bleibt die Krankheit des Ohres unbehandelt, kann sie das umliegende Knochengewebe schädigen.
  • Ernste Komplikationen sind möglich: von Hörverschlechterung bis zu Schädigungen an Nerven oder Hirnhaut.
  • Ein Tinnitus ist in diesem Zusammenhang möglich8. Möglicherweise, weil das Cholesteatom das Trommelfell oder die Gehörknöchelchen zerstört und die Schallübertragung ins Innenohr stört.
  • In den meisten Fällen ist eine Operation notwendig: Das befallene Gewebe wird entfernt und – wenn möglich – Trommelfell oder Gehörknöchelchen rekonstruiert oder durch Prothesen ersetzt9.

Otosklerose – seltene Ursache für Tinnitus

Bei einer Otosklerose wächst Knochengewebe im Mittelohr krankhaft nach. Dadurch versteift der Steigbügel – eines der Gehörknöchelchen – und Schallwellen können nicht mehr ungehindert ins Innenohr gelangen.

Typisches Symptom der Ohrenerkrankung ist eine fortschreitende Schwerhörigkeit. Bei 60 Prozent der Betroffenen tritt zusätzlich ein Tinnitus auf, der meist intermittierend, also nicht dauerhaft hörbar ist10.

Die Behandlung erfolgt in der Regel operativ: Der Steigbügel wird durch eine winzige Prothese ersetzt. In den meisten Fällen verbessert sich dadurch das Hörvermögen deutlich.

Tinnitus als Symptom von Morbus Menière

Stell dir vor, du sitzt in einem Karussell, das außer Kontrolle geraten ist und kannst nicht aussteigen – so oder so ähnlich fühlt sich die Ohrenerkrankung Morbus Menière für Betroffene an. Typisch sind plötzlich einsetzende Schwindelattacken, die Minuten bis mehrere Stunden andauern können.

Drei typische Anzeichen von Morbus Menière sind11:

  • Tinnitus, der sich meist vor oder während der Schwindelattacken verstärkt
  • anfallsartiger Drehschwindel, oft mit Übelkeit und Erbrechen
  • Hörminderung auf einem Ohr
  • Ohrgeräusche oder Druckgefühl
Mehr Infos zur Ursache und Behandlung der Ohrerkrankung:

Als Ursache gilt ein gestörter Flüssigkeitshaushalt im Innenohr: Bildet sich zu viel Endolymphe, steigt der Druck, feine Membranen reißen und Flüssigkeiten mischen sich – die Beschwerden setzen ein.

Eine Heilung gibt es bisher nicht. Ziel der Behandlung ist es, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu verringern. Bei akuten Attacken helfen Medikamente gegen Schwindel und Übelkeit, in schweren Fällen können operative Eingriffe bis hin zur Entfernung des Innenohrs nötig sein.

FAQs – Häufige Fragen zu Ohrenerkrankungen

  • Verspannungen, Gelenkprobleme oder Verletzungen der HWS sind zwar keine Ohrerkrankung, können aber einen Tinnitus auslösen oder verstärken12. Eine ärztliche Untersuchung mit anschließender Physiotherapie helfen bei der Behandlung13.

  • Hyperakusis ist eine Überempfindlichkeit gegenüber alltäglichen Geräuschen, die bei etwa 40 % der Tinnitus-Betroffenen auftritt14. Beide können gleichzeitig auftreten, aber Tinnitus verursacht keine Hyperakusis und umgekehrt15.

  • Probleme im Kausystem, wie Zahnfehlstellungen oder Zähneknirschen, belasten die Muskeln von Kopf und Nacken, was die Hörfunktion stören und Tinnitus verursachen kann. Dies liegt an der engen räumlichen Nähe zwischen Kiefergelenk und Ohr16.

  1. Ohrenschmerzen: Oft kurz, immer heftig. Pharmazeutische Zeitung. Zugegriffen 15. September 2025.
  2. Hörsturz“. Deutsche Tinnitus-Liga e. V. Zugegriffen 15. September 2025.
  3. Was ist ein Hörsturz?“ Dt. Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. Zugegriffen 15. September 2025.
  4. Hörsturz Ursachen und Risikofaktoren.“ Dt. Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. Zugegriffen 15. September 2025.
  5. Erste Anzeichen und Symptome“. Dt. Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. Zugegriffen 16. September 2025.
  6. Tinnitus Ursachen & Risikofaktoren“ Dt. Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. Zugegriffen 16. September 2025.
  7. Ohrgeräusche (Tinnitus): Ursachen, Vorbeugung und Behandlung“. Bund.de. Zugegriffen 16. September 2025
  8. Cholesteatom“. Gelbe Liste. Zugegriffen 16. September 2025.
  9. Cholesteatom-Operation“. Uniklinik Köln, 21. März 2025. Zugegriffen 16. September 2025.
  10. Otosklerose. Georg Thieme Verlag KG. Zugegriffen 16. September 2025.
  11. Morbus Menière“. Deutsche Tinnitus-Liga e. V. Zugegriffen 16. September 2025.
  12. Tinnitus aufgrund von Störungen der Halswirbelsäule“. Gzfa.de. Zugegriffen 16. September 2025.
  13. S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus“. Awmf.org. Zugegriffen 17. Oktober 2025.
  14. Tinnitus“. Gelbe Liste. Zugegriffen 16. September 2025.
  15. Hyperakusis“. Deutsche Tinnitus-Liga e. V. Zugegriffen 16. September 2025.
  16. Tinnitus aufgrund von Störungen im Kiefergelenk“. Gzfa.de. Zugegriffen 16. September 2025.